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Internes Memo an Unsere Frau Aussenminister (UFAM): Sachertorte an Herrn Präsident Luzius Wildhaber vom Menschenrechtsgerichtshof schicken. Aufschrift: Unser Wesen heisst Süße. Eventuell mit Piccolo-Torto für die Fr. Gemahlin. Dazu Grußbotschaftt: Wir freuen uns schon auf Ihren Urlaub bei Freunden.
Endlich eine Wunderwaffe gegen die Sanktionen gefunden: Die Tortenschlacht. Auf der Azoreninsel Madeira durfte UFAM zusammen mit den anderen 14 Conciergen Europas schon die neckische Azoren-Narren-Zipfelmütze tragen, in Feira haben wir endlich den Durchbruch mit der feierlichen Überreichung von Sacher-Torten und Manner-Schnitten an die dortigen Eingeborenen erzielt. Seht, so süß ist Österreich.
Die Mehlspeise als eigentliches Wesensmerkmal Österreichs ist historisch belegt, wenn auch nicht unbedingt in allen Arten politischer Kalamitäten empfehlenswert. Als Marie Antoinette -- eine andere große Tochter der Heimat mit einer Mission -- erfuhr, dass das Volk revoltierte weil es kein Brot hatte, hinterließ sie uns diese berühmten Worte eines unverbesserlichen Zuckergoscherls: "Laßt sie doch Kuchen essen!" So schnell können Österreicher in Frankreich Schiffbruch erleiden.
Mehr Erfolg hatte da vorübergehend der jetzt nur noch einfache Landeshauptmann von Kärnten, als er einst die liberalen Gelüste seiner Heide stillte, indem er ihr tv-dokumentiert mit zwei Gaberln Torte den Mund für ein paar Jahre stopfte. Wahrscheinlich war es Nachlässigkeit bei der Dosierung, die später zur Scheidung führte.
Jetzt jedenfalls: Die von Manner-Schnitten flankierte Tortenoffensive, mag man eben. Früher hieß es, dass der Österreicher ein Punschkrapferl sei, außen rosa, innen braun.
Heute wissen wir hingegen: Der Österreicher ist lieb wie eine Sachertorte, außen und innen braun, dafür ein bisserl zartbitter. Oder im Oton: "Diese Sachertorte schaut so nett aus wie die Österreicher. Die österreichische Torte ist nicht giftig."
Die Sachertorte als Benutzeroberfläche gnadenloser heimischer Lieblichkeit ist quasi Version 2 des Kuchens, der als politischer Betatest Marie Antoinette im Hals stecken blieb. Die Torte, der die Welt vertraut, wurde seinerzeit nicht von Mon Cheri Ferrero, sondern am Hofen des Fürsten Metternich erfunden, als man unbestritten noch eine ordentliche Aussenpolitik gemacht hat. Schon damals kochte der Kutscher Europas irgendeinen Mächtigen Europas richtig ein. Und immer noch ist das Originalrezept so streng geheim wie der Masterplan zur Rückeroberung der ungeteilten Liebe der EU-14.
Nur soviel kann darum von der neuen Aussenstelle des Aussenministeriums hinter der Oper berichtet werden: 1 Million Eier, 70 Tonnen Zucker, 60 Tonnen Schokolade, 35 Tonnen Marillenmarmelade, 25 Tonnen Butter, 30 Tonnen Mehl jährlich, was wohl selbst größeren Gourmets als einem Westenthaler-Napoleon das Maul stopfen sollte.
Wer wollte da noch garschtig zu uns sein: Nein, lieben werden sie uns, wenn erst die drei Weisen aus dem Brüsselland mit der ersten Tonne Sachertorte abgefüllt worden sind. Österreich süß: Das hat doch was. Zumindest einen Nachgeschmack.
Freundlich gewidmet von spu Kofferlogo
von Renate Habinger, |
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